Die erste Aufregung ist längst vorbei. - Wir wollen ein Fohlen ziehen,
aber welchen Anforderungen soll es entsprechen? Welcher Hengst paßt zu
unserer Stute? Roßt die Stute regelmäßig und für uns gut
sichtbar? Ist die Tupferprobe sauber?
Jetzt ist die Stute tragend, wir freuen uns aufs Frühjahr!
Nachdem der Mittelteil der Trächtigkeit ohne Zwischenfälle und
Besonderheiten verlaufen ist, kommen jetzt doch einige Fragen auf.
Woran merken wir, daß es unserer Stute und dem Fohlen gut geht?
Wie lange trägt die Stute? Was ist vorher noch zu tun?
Solange die Stute mit Appetit frißt, normalen Kotabsatz hat und sich
wie immer verhält, können wir davon ausgehen, daß
"Mutter und Kind" wohlauf sind.
Die durchschnittliche Tragezeit der Stute beträgt 336 Tage, viele Züchter
und Besitzer rechnen mit ca. 11 Monaten. Die Trächtigkeitsdauer ist je nach
Rasse, Alter der Stute und individuellen Besonderheiten etwas variabel.
Auch 4 Wochen zu übertragen kann normal sein!
Jede tragendene Stute sollten neben der normalen Influenza-Tetanus-Impfung
auch gegen Virusabort geimpft sein. Dafür stehen verschiedene Impfstoffe
zur Verfügung
zb. "Resequin NN plus"®, "Duvaxyn EHV 1,4"® oder
Prevaccinol®.
Diese Impfungen sollten nach der Grundimmunisierung je nach Impstoff
im 3. und 9. bzw. 4. und 8. Trächtigkeitsmonat erfolgen.
Auch eine gute und regelmäßige Entwurmung ist während der
Trächtigkeit notwendig. Lediglich in den ersten 5 Monaten sollten
keine Medikamente verabreicht werden. Danach sind die meisten Wurmkuren
gut veträglich und schaden dem Fohlen nicht!

Es ist möglich, die letzte Wurmkur 10-14 Tage vor dem errechneten
Abfohltermin zu geben, damit das Fohlen einen "wurmfreien" Start ins Leben hat.
Sollten irgendwelche Erkrankungen in den für sie längsten 11 Monaten
auftreten, wird ihr Tierarzt bei der Behandlung immer auf die Trächtigkeit
Rücksicht nehmen und wenn möglich, nur gut verträgliche Medikamente
einsetzen.
Nachdem sie sich über das erste Ultraschallbild gefreut haben, auch bei der
Nachuntersuchung "noch tragend" verkündet wurde und sich der Bauch der Stute
irgendwann deutlich rundete, stellt sich jetzt die Frage:
Woran erkenne ich, daß es bald losgeht?
Am Ende der Trächtigkeit, meist frühestens 4 Wochen vor dem errechneten
Abfohltermin, beginnt die Stute aufzueutern. Das Euter nimmt an Umfang zu und
wird praller. Bei manchen Stuten ist das aber erst einige Tage vor der Geburt zu
beobachten. Maidenstuten (Stuten, die ihr erstes Fohlen erwarten) überraschen
uns manchaml morgens mit einem Fohlen am Euter, obwohl am Vorabend noch nichts
zu sehen war.
Der erst so kugelige Bauch senkt sich in den letzten 2-3 Wochen deutlich ab. Die
Flanken fallen dadurch ein. die Kruppe wirkt spitzer. Die äußere
Scham (Vulva) wird deutlich größer, lockerer und die Schleimhaut
innen röter und feuchter.
Spätestens jetzt sollte man über eine Geburtsüberwachung nachdenken.
Neben dem Schlafen im Stroh gibt es auch technische Möglichkeiten, dank
denen sich der Besitzer etwas weiter entfernen kann. Aber auch die Überwachung
per Monitor, der Gurt mit Sender oder ein an der Vulva angebrachter "Fohlenwächter"
mit Magnet erfordert natürlich die ständige Erreichbarkeit des
Besitzers. Alle Technik nützt nichts, wenn wir den entscheidenden Zeitpunkt
verpassen!
Mit den ersten Wehen wird die Stute unruhig, läuft meist im Kreis durch die Box.
Die Milch läuft an den Innenschenkeln herab, manche Stuten fangen an, am
Hals zu schwitzen. Als erstes für uns erkennbar erscheint die Fruchtblase
im Schamspalt. Nach wenigen Minuten sind in dieser Blase die Füße des Fohlens
zu sehen. Sollte nur ein Fuß erscheinen, rufen sie

schnell ihren Tierarzt!
Wenn keine Komplikationen auftreten, wird ihre Stute die Geburt alleine
meistern!
Gehen sie ruhig mit ihrer Stute um!
Die Fruchtblase wird in den meisten Fällen alleine aufreissen. Sie
müßen nur helfen, wenn der Kopf geboren ist und die Blase dabei noch
geschlossen ist.
Wenn das Fohlen geboren ist, lassen sie die Nabelschnur ganz.
Sie wird alleine an der von der Natur vorgesehenen Stelle reißen, wenn die
Stute auftsteht und noch viel Blut aus der Nachgeburt in das Fohlen übergegangen
ist.
Die Nachgeburt sollte innerhalb von 30-60 Minuten vollständig abgegangen sein,
ansonsten informieren sie unbedingt ihren Tierarzt!
Woran erkennen sie, daß ihr Fohlen fit ist?
Es atmet von alleine und hebt nach einigen Minuten den Kopf.
Innerhalb einer halben Stunde wird es versuchen aufzustehen und mit der Suche nach
dem Euter beginnen.
Den Nabel sollten sie mit einer Jodlösung desinfizieren, um das Eindringen
von Krankheitserregern zu verhindern.
Sobald ihr Fohlen die erste Milch aufgenommen hat, wird es das Darmpech absetzen.
Das sind 10-15 cm Strang des Kotes (schwarzbraun, klebrig), der sich am Ende der Trächtigkeit im
Fohlendarm gebildet hat. Für einen leichteren Kotabsatz bekommen sie von ihrem
Tierarzt ein Klistier fürs Fohlen.
Sollte es nicht aufhören zu pressen, rufen sie bitte den Arzt.
Innerhalb der ersten 12 Stunden sollte ihr Fohlen tierärztlich untersucht
und gegen Fohlenlähme geschützt werden.
So, nachdem alle Arbeit getan ist, können sie sich täglich an der der
Weiterentwicklung des Naturwunders erfreuen!
Sonja Dumke, Tierärztin
Hier finden Sie das Punkteschema der Universität Gießen zur
Frühbeurteilung des Gesundheitszustandes des neugeborenen Fohlens: